Lässt die Automatisierung Arbeitsplätze verschwinden?

Lässt die Automatisierung Arbeitsplätze verschwinden?
September 9, 2019 Jonny
In Automation, Digitale Transformation

Stichwort: Automatisierung. Was beim Management etlicher Unternehmen in den verschiedensten Industrien nahezu zum Zauberwort geworden ist, sorgt bei Betriebsräten und Gewerkschaften für Stirnrunzeln und Zähneknirschen. Automatisierung verspricht Effektivität, Effizienz, standardisierte Geschäftsabläufe – kurzum: mehr Output für weniger Input, schneller und zuverlässiger. Doch der Preis dafür scheint hoch. Die Angst, dass durch Automatisierung Arbeitsplätze abgebaut werden, zeigt sich gefühlt jede Woche in den Tageszeitungen und Abendnachrichten. Der Schluss liegt nahe: Wenn die Herstellung eines Produkts ab jetzt von einer Maschine übernommen wird, was wird dann aus den Angestellten, die diesen Aufgabenbereich bisher übernommen hatten?

Jonny ist Lana Labs’ hauseigener Marketer, aber wenn es eine Sache gibt, die ihn am Tech-Marketing nervt, dann ist es der Übergebrauch und oft auch Missbrauch von Buzzwords. In dieser Kolumne wirft er einen tieferen Blick auf einige der hoch gehypten Technologietrends und versucht, ein paar Sachen richtig zu stellen.

Eines vorweg: Solche Befürchtungen sind prinzipiell nicht gänzlich unberechtigt. Das Problem ist allerdings, dass der Diskurs um das Für und Wider von Automatisierung stark dramatisiert wird. So wird aus sinnvollen, rationalen Einwänden schnell apokalyptische Schwarzmalerei. Kern solcher Übersprungsreaktionen ist häufig eine falsche Vorstellung davon, wie die Automatisierung von Arbeit heutzutage eigentlich funktioniert.

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Die Angst vor der Automatisierung zieht sich durch viele Felder – selbst unter Musikern wird schon gemunkelt.

Nein, die Roboter ersetzen uns (noch) nicht

Bei der Geschwindigkeit, in der sich Technologien heutzutage entwickeln, kommt man sich manchmal wirklich wie im Science-Fiction-Film vor. Hier jedoch der Realitätscheck: Ganz so weit sind wir noch nicht. Die Komplexität und die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz und Robotik sind in den vergangenen Jahren schnell gewachsen, doch der völlig autarke Einsatz von intelligenten Maschinen in unseren Geschäftsabläufen ist zum großen Teil noch Zukunftsmusik. Ob tatsächlicher Roboter oder automatisierte Software, in den allermeisten Fällen benötigen die Maschinen noch immer menschlichen Input und Kontrolle. Ja, wir nennen es künstliche Intelligenz, aber die Ausmaße dieser Intelligenz sind wohl eher noch Auslegungssache.

Selbstverständlich sind einige Arbeitsfelder stärker davon betroffen als andere. Manuelle Arbeit, besonders in der Produktion, wird heute bereits zum größten Teil durch Maschinen getätigt. Kreative oder komplexe strategische Entscheidungen können die Roboter heutzutage allerdings noch nicht übernehmen. Daher rührt auch ein Großteil der Kontroverse um das Thema Automatisierung: Management und Vorstandsmitglieder müssen noch lange nicht um ihre Jobs bangen, während sich die Angestellten am Fließband und in den Warenhäusern auf große Veränderungen vorbereiten müssen.

Wie Automatisierung Arbeitsplätze verändert

Der Fehlschluss ist jedoch, dass mit der Automatisierung manueller Arbeit ganz einfach Jobs verschwinden. Hier wird oft nicht weit genug gedacht: Ja, wenn die Montage durch Maschinen übernommen wird, braucht das Unternehmen selbstverständlich weniger Arbeiterinnen und Arbeiter, die mit Hammer und Bohrmaschine in der Werkstatt bereitstehen. Es entsteht jedoch ein neuer Bedarf. Die Maschinen müssen gesteuert, gewartet und kontrolliert werden – und zwar von Menschenhand.

Was wir daher in der voranschreitenden Automatisierung der Arbeitswelt beobachten, ist kein Zusammenbruch von Arbeitsplätzen, sondern eine Verschiebung der Verantwortlichkeiten. Das bedeutet ganz klar, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer müssen sich anpassen. Hier stehen die Unternehmen in der Verantwortung, für ihre Angestellten Möglichkeiten zur Weiterbildung und Umschulung zu bieten.

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Ganz so apokalyptisch wie in Pixars Animationsfilm “Wall E” wird unsere Arbeitswelt glücklicherweise nicht aussehen.

Aktuell in aller Munde: Robotic Process Automation

Die Frage der Arbeitsverschiebung wird dieser Tage jedoch in ein interessantes neues Licht gerückt. Robotic Process Automation (RPA) macht die Runde und zeigt viel Potential für die Geschäftsoptimierung. Anstatt physischer Maschinen werden bei dieser Methode Software-Roboter eingesetzt, also programmierbare und zum Teil auch lernfähige Computerprogramme, die automatisiert Routineaufgaben in gängigen Software-Anwendungen ausführen.

Muss deswegen die Buchhaltung oder Finanzabteilung um ihre Arbeitsplätze bangen? Selbstverständlich nicht. Zum Einen ist RPA noch nicht so weit, ganze Arbeitsfelder eigenständig zu übernehmen – dafür gibt es im Umgang mit Software einfach zu viele komplexe Variablen. Zum Anderen gilt auch hier wieder: Auch die Software-Roboter müssen kontrolliert und trainiert werden. Gefordert ist also eher eine laterale Bewegung in den Arbeitsstrukturen.

Unter’m Strich – Zerstört Automatisierung Arbeitsplätze?

Einfach gesagt: nein. Zumindest nicht direkt. Was der Automatisierungstrend allerdings tut, ist unser Verständnis von Arbeit, Routineaufgaben und Standardisierung zu verändern. Viele Arbeitsfelder, vom Warenhaus bis zur Rechnungsabteilung, werden sich in ihren Verantwortlichkeiten verschieben. Es wird weniger repetitive Handarbeit gefordert sein, dafür jedoch mehr Systemwartung und Kontrolle.

Um diesen Entwicklungen gut vorbereitet entgegenzutreten, sind Unternehmen aller Industrien gefragt, ihre Angestellten fortzubilden und auf neue Arbeitssituationen vorzubereiten. Dies betrifft selbst die Ausbildungseinrichtungen, deren Bildungsangebot die veränderte Arbeitslandschaft widerspiegeln sollte.

Aber keine Sorge – von der Rebellion der denkenden Maschinen sind wir noch ein Stück weit entfernt.

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